Wie arbeitet man mit einem ängstlichen Hund?

Aengstlichen Hund trainieren

Aengstlichen Hund trainieren

Eine typische, ängstliche Körperhaltung – die komplette Mimik des Hundes deutet auf Ängstlichkeit hin: Ohren angelegt, Kopf geduckt, runder Rücken, ängstlicher Blick

Ein Hund aus dem Tierheim, aus einer Tötungsstation oder aus einer schlechten Haltung, hat eine Vergangenheit, die es ihm womöglich nicht erlaubt sich “normal” im Umgang mit Menschen zu verhalten. Ein solcher Hund reagiert schüchtern, ängstlich, panisch und benötigt Geduld und Zeit, um wieder Vertrauen zu fassen.

Einem ängstlichem Hund kann der Mensch nicht einfach durch ein Gespräch klar machen, dass es keinen Grund mehr zum Fürchten gibt.

Am besten du zeigst es deinem Hund durch ein wiederholtes, positives Training, dass ihm erlaubt wieder Vertrauen zu fassen und Selbstbewußtsein zu tanken.

Ignoriere schlechtes Verhalten und belohne das gute Verhalten. Alle Hunde, gerade die ängstlichen und schüchternen, müssen wir für gutes Verhalten belohnen. Spreche langsam, leise und mit sanfter Stimme mit einem ängstlichen Hund und vermeide den direkten Augenkontakt.

Verhalten und Körpersprache bei ängstlichen Hunden

Beuge dich nicht über den Hund, wenn du ihn streicheln möchtest. Akzeptiere seine Entscheidung, dass er nicht gestreichelt werden möchte und bedränge ihn nicht, denn dann bekommt er noch mehr Angst. Stattdessen: Gehe in die Hocke, drehe den Kopf zur Seite (vom Hund weg), warte bis der Hund auf dich zukommt und gib ihm dann ein Leckerchen. Wenn der Hund das Leckerchen genommen hat, ist das ein großer Fortschritt für ihn. Diese Übung kann immer wieder mit fremden Personen ggf. älteren Kindern geübt werden.
Wenn dir auf der Straße ein großer Hund, ein Straßenreiniger oder eine Gruppe von Menschen entgegenkommt, stelle dich entweder schützend vor oder neben deinen Hund. Dein Körper wird hier als Puffer vom Hund gesehen und bedeutet für ihn weniger Stress.

Positive Verstärkung und individuelle Förderung

Finde heraus, was deinen Hund positiv bestärkt. Der eine Hund wird bestärkt durch ein Leckerchen, der andere liebt Bälle, wieder ein anderer möchte gestreichelt werden, oder liebt es zu spielen. Jeder Hund, jedes Tier ist ein Individuum und die Ansätze sind bei jedem Hund individuell. Ganz wichtig, berücksichtige die bisherigen Lebensumstände.
Überflute deinen Hund nicht mit Reizen. Eine Shopping-Tour in einer überfüllten Fußgängerzone solltest du einem ängstlichen Hund nicht zumuten. Anders sieht es aus, wenn du deinen Hund lange genug kennst und weißt wie er reagiert, dann kann man evtl. einen kurzen Spaziergang durch eine Fußgängerzone nach Geschäftsschluss machen.
Das nennt man: Environmental Enrichment = “Bereicherung der Umwelt” eine direkte Übersetzung reicht nicht aus, um diesen Ansatz zu beschreiben. Dieses Konzept kommt aus der Zootierhaltung.

Tiere leben artgerecht und sind zufriedener, wenn ihre Umwelt den natürlichen Lebensbedingungen gleicht. Am Beispiel Hund ist es die Nasenarbeit. Hunde lieben Nasenarbeit. Es ist ihr wichtigsten Organ. Deshalb kannst du Nasenarbeit in jeglicher Form für den Hund anbieten (Mantrailing, Schnüffelarbeit, Fährten, Apportieren). Auch die „Shoppingtour“ nach Geschäftsschluss wird für den ängstlichen Hund zu einer Herausforderung und er wird gefördert, ohne gestresst zu werden.
Alle Hunde(sport)arten, in der die Nase unseres Hundes gefördert wird, eignen sich auch für ängstliche Hunde. Ein Hund hat bis zu 220 Millionen Riechzellen im Gegensatz zu uns Menschen, die nur 5 Millionen Riechzellen haben.
Zum Wohlfühlen gehört ein gut strukturierte Arbeitsalltag, hochwertiges Futter und soziale Kontakte – aber auch die Möglichkeit, seine geistigen Fähigkeiten zu fördern und zu erweitern.

©Bettina Küster

Geschrieben von:



Bettina Küster, Hundepsychologin (nTR)

Für mich ist die positive Bestärkung der richtige Ansatz im Training mit Hunden. Ich arbeite mit positiver Verstärkung, sehr viel Lob und Leckerchen. Wichtig ist unsere eigene Körpersprache, Mimik und unsere Stimme sinnvoll einzusetzen, um mit einem Hund kommunizieren zu können. Der Hund begleitet uns seit Zehntausenden von Jahren und trotzdem werden viele Hunde nicht von den Menschen verstanden. Lass dich ein auf die „Welt des Hundes“.

http://www.gute-laune-dogs.de/