Voll im Trend und trotzdem out

Ein Bommel auf der Mütze oder ein Pelz-Accessoire an der Tasche – ein weit verbreiteter Modetrend, der immer wieder neu entfacht. Doch um welchen Preis?

Zum heutigen Tag existieren noch sechs Nerzfarmen in Deutschland. Foto: Shutterstock

In einem kleinen Örtchen in Deutschland, etwas außerhalb, hinter Bäumen und wild wuchernden Sträuchern, verbirgt sich ein hoher, rostiger Maschendrahtzaun. Das gelbe Warnschild ist kaum zu übersehen. Es signalisiert, dass niemand hier willkommen ist. Hinter dem Zaun reihen sich mehrere lange Wellblech-Hütten aneinander. Laut Tierschützern werden hier tausende Nerze in bis unter die Decke gestapelten Drahtgitterboxen gehalten, nur um für Pelzmode getötet und gehäutet zu werden. Zum heutigen Tag existieren noch sechs dieser Nerzfarmen in Deutschland.

“Nicht artgerechte Zustände”

Bis zu 50.000 Nerze würden pro Jahr auf diesen Farmen für Pelz gezüchtet, berichten Tierschutz-Aktivisten. Die Käfige seien zu klein und die Tiere könnten ihren natürlichen Bedürfnissen wie Klettern, Schwimmen und Nahrung suchen nicht nachkommen, teilt eine Tierschützerin mit, die anonym bleiben möchte. Die Nerze seien permanentem Stress ausgesetzt und entwickelten teilweise schwere Verhaltensstörungen, wie Selbstverletzung und ständiges im Kreis drehen. In freier Natur sind Nerze Einzelgänger und beanspruchen ein großes Revier für sich. Doch für einen möglichst großen Profit der Pelzfarm-Betreiber verbrächten die Tiere ihr Leben in diesen nicht artgerechten Zuständen, so die Vorwürfe der Pelzgegner.

Das passiert bei der Pelzernte

Das Leben auf der Farm ende für die Nerze mit einem dramatischen Tod. Damit der Pelz nicht beschädigt wird und an Wert verliert, würden die Tiere durch Kohlenmonoxid vergast oder per Genickbruch oder Elektroschock getötet. Beim Tod durch Elektroschocks werde den Tieren ein Stromstab in den Anus und ins Maul eingeführt, sodass die Tiere innerlich verbrennen. Ein schmerzfreies Töten sei durch keine der Methoden garantiert gewährleistet, plädieren Tierschützer.

Ein erster Lichtblick

Bereits seit 2011 schreibt die Tierschutz-Nutztier­haltungs-Verordnung vor, dass die Gehege der Nerze mindestens drei Quadratmeter groß sein sowie Schwimmbecken und Klettermöglichkeiten bieten müssen. Durch diese hohen Haltungsauflagen wird die Zucht und das Geschäft mit Pelz unrentabel. Einige Nerzfarmbetreiber klagten deshalb gegen die Verordnung, die sie in ihrer Berufsausübung einschränke. Bis zu diesem Zeitpunkt gibt es in Deutschland leider noch kein generelles Pelzfarmverbot. Doch es gibt Grund zur Hoffnung: 2017 wurde die Verordnung in ein höherrangiges Gesetz umgewandelt. Unter Erfüllung der Vorgaben ist die Haltung so zwar immer noch erlaubt, kommt der Betreiber dieser Pflicht jedoch in den nächsten fünf Jahren nicht nach, muss der Betrieb geschlossen werden. Da die Rentabilität so weiter sinkt, ist dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem ausdrücklichen Pelzfarmverbot.

Flauschiges Fell – ein Trend mit Schattenseite. 
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Was kannst du tun?

Kaufe und trage keinen Pelz. Vermeide auch Kunstpelz, denn auch wenn das Etikett den Pelz am Accessoire als „Kunstfell“ deklariert: Dahinter verbirgt sich manchmal Echtpelz von Kaninchen, Chinchillas und Nerzen, oder aber Hunden und Katzen. Denn die Pelzproduktion ist oftmals tatsächlich günstiger als die von Kunstfell. Sensibilisiere außerdem dein Umfeld für das Thema und mache Influencer in sozialen Medien auf das Leid durch Pelzmode aufmerksam. Diente das Tierfell in der Steinzeit als schützendes Kleidungsstück vor Wind und Kälte, ist ein Pelzbommel heutzutage wirklich nur noch ein „schickes“ Mode-Accessoire. Gib darum deine Stimme den Pelztieren, die unnötig für diesen Modetrend sterben und unterzeichne auch Petitionen. Ja, ich unterschreibe die Petition für ein Echtpelzverbot in Deutschland »