Tierische Urlaubsattraktionen Tops und Flops

Einmal mit Delfinen schwimmen oder einen Tiger streicheln – für viele Touristen der Höhepunkt ihres Urlaubs und nicht einmal teuer. Den Preis dafür zahlen oft die Vierbeiner.

Elefanten würden in Freiheit niemals Menschen auf ihrem Rücken dulden.
Foto: Ben Heys

Trügt der Schein?

Aber schade ich den Tieren tatsächlich, wenn ich einen Zoo besuche oder einen Ausflug mit Elefanten buche? Die Vierbeiner, die man bei diesen Attraktionen sieht, werden oft von ihren Besitzern großgezogen und scheinen die Aufmerksamkeit der Menschen sogar zu genießen. Da schnurren Tiger wie zu große Hauskatzen, wenn sie am Bauch gekrault werden und Delfine stibitzen fröhlich schnatternd Fische aus der Hand ihrer Trainer. Ein großer Spaß für alle Beteiligten, könnte man glauben. Doch hinter den Kulissen geht es den meisten Betreibern viel zu oft nur darum, Gewinn zu machen – auch auf Kosten der Tiere. Mitbekommen sollen die Urlauber das nicht, schließlich zahlen sie viel Geld, um waghalsige Kunststücke zu sehen oder den faszinierenden Exoten einmal ganz nahe zu sein. Es gibt aber Fälle, bei denen plötzlich klar wird, dass die Vierbeiner weniger Spaß an ihrer Arbeit haben als es scheint. Besonderes Aufsehen erregte 2015 das Video einer spanischen Delfinshow, in der die „Stars“ vor den Zuschauern von ihren Trainern geschlagen und angeschrien wurden. Aber nicht nur bei solchen Attraktionen sollten Tierfreunde besser aufpassen. Egal ob Tiger, Äffchen oder Orca, kein wildes Tier führt ohne Training Kunststücke vor, springt freiwillig durch brennende Reifen oder posiert für die Kamera. Das muss ihm der Mensch erst beibringen. Elefanten etwa würden in Freiheit niemals Menschen auf ihrem Rücken dulden. Damit sie Urlauber durch Urwälder oder an Stränden entlang tragen, muss ihr natürliches Verhalten gebrochen werden. Oft wird dieser Lernprozess für die Vierbeiner von brutalen Schlägen und Futterentzug begleitet.

Exotische Tiere werden häufig in zu kleinen Käfigen oder an kurzen Ketten gehalten. Foto: Tiberius Dinu

Rettung für die Tiger vom Tigertempel

Selbst exotische Tiere, die im Zoo nur zum Anschauen dienen, führen oft kein artgerechtes Leben. Gerade in asia­tischen Ländern werden sie häufig in engen Käfigen oder an zu kurzen Ketten gehalten. Denn je größer das Gehege, desto mehr Geld kostet das Tier seinen Besitzer. Und natürlich kann der Vierbeiner so auch nicht weglaufen, wenn man ihn streicheln will. Dabei haben die meisten Exoten in der Wildnis riesige Reviere, durch die sie nach Lust und Laune klettern, rennen oder schwimmen können. Dürfen sie dieses natürliche Verhalten nicht ausleben, fangen sie schnell an, sich zu langweilen und werden manchmal sogar depressiv oder panisch. Dann können sie auch Menschen verletzen. Damit das nicht passiert, stellen die Besitzer die Tiere oft auch mit Medikamenten ruhig.

So auch im berühmten Tigertempel in der thailän­dischen Provinz Kanchanaburi. Gegen Geld konnten Besucher die großen Raubkatzen anfassen oder sie fotografieren. Die Tiger waren gut genährt und ließen sich selbst durch Streicheleinheiten nicht aus der Ruhe bringen. Doch damit die Urlauber unbesorgt mit ihnen kuscheln konnten, wurden die Tiere unter Drogen gesetzt und verbrachten den meisten Teil ihres Lebens an der Kette. 2016 räumten die Behörden den Tempel. Heute haben die Tiger im Khao-Son-Wildtierzentrum ein neues Zuhause gefunden.

Die Tiere haben weniger Spaß an ihrer Arbeit, als es scheint. Foto: A_Mikhail

Tierfreundliche Alternativen

Auf Angebote, bei denen die Tiere Kunststücke vorführen oder in engen Käfigen eingesperrt sind, sollten Tierfreunde besser verzichten. „Mit den natürlichen Lebensbedingungen in der Wildnis hat das nichts zu tun“, fasst Olaf Neuendorf, Vorsitzender des Raubtier- und Exotenasyl in Ansbach, zusammen. In der einzigen Raubtier-Auffangstation Deutschlands finden wilde Tiere mit teils trauriger Vergangenheit ein neues Zuhause. Bei den professionellen Führungen können Tierfreunde die Exoten sogar aus der Nähe
beobachten – ohne sie dabei zu stören.

Auch viele andere Tierschützer bieten seriöse Begegnungen mit wilden Tieren an. Bei begleiteten Ausflügen in Nationalparks oder Naturschutzgebiete können Urlauber Exoten wie Delfine, Wale oder Tiger in ihrer natürlichen Umgebung beobachten, ohne sie zu stören und gleichzeitig viel Wissenswertes über die Tiere erfahren. Auch für Tierfreunde, die den Vierbeinern noch näher kommen möchten, gibt es viele Angebote, die man ohne schlechtes Gewissen nutzen kann. Etwa indem man eine Robbenauffangstation statt eines Delfinariums besucht oder mit den Kindern lieber auf einen Gnadenhof geht, anstatt in den örtlichen Zoo. Daran haben Kinder mindestens genauso viel Spaß.

So trägt man auch gleich zum Schutz der Tiere bei. Denn nur wenn die tierischen Attraktionen nicht mehr genug Gewinn abwerfen, werden die Veranstalter nach Alternativen suchen, bei denen kein Tier mehr zu Schaden kommt.