Schreckliche Erlebnisse vergessen

Schreckliche Erlebnisse vergessen

Schreckliche Erlebnisse vergessenEs ist ganz großartig, wenn man einen Hund aus dem Tierschutz adoptiert: Man rettet eine Hundeseele und gibt ihr ein neues Zuhause, Sicherheit und genügend zu essen. Alle Hunde, die ich kennen gelernt habe und bei deren Eingliederung in unsere Kultur ich helfen durfte, haben Schreckliches erlebt. Sie tragen nicht nur Narben am Körper vom Stacheldraht, mit dem sie an einen Baum genagelt wurden oder Brandnarben von Zigaretten.

 

Schreckliche Erlebnisse vergessen – die ersten Schritte

Auch ihr Vertrauen in den Menschen muss neu aufgebaut werden. Frauen haben es oft einfacher. Ich bewundere zutiefst die Fähigkeit der Hunde, dass sie ihre Furcht ablegen und sich wieder von Männern streicheln lassen, bei Berührungen nicht mehr knappen oder zucken. Mit unserer Hilfe können sie schreckliche Erlebnisse vergessen.Das Wichtigste ist, dass die Hunde sofort Erziehungssicherheit, Verhaltensgewissheit und Schutz von uns erfahren. Mitleid können Hunde nicht verstehen. Wir werden auch lieber aus Leid herausgeholt, anstatt immer wieder daran erinnert.

Ein Verhalten ist bei allen gleich

Wie haben wir es gemacht? Jeder Hund ist anders und eine eigene unverwechselbare Persönlichkeit. Aber ein Verhalten war bei allen gleich: Wir haben dafür gesorgt, dass keine Menschen sie von vorne oben – mit ausgestreckten Händen und starrem Blick –versuchen zu begrüßen. Auch das noch so lieb gemeinte: „Ich tu dir doch nix“, versetzt den Hund in Panik. Die Hunde konnten sich unsere Welt/ unsere Kultur zuerst an der Leine, hinter unseren Füßen abgeschirmt und unter unserem Schutz ansehen. Sie mussten keine eigenen Entscheidungen treffen und konnten – ohne Überforderung – alle neuen Eindrücke verarbeiten. Wir haben gelernt, sie in kleinen Schritten/ sekundenweise allein zu lassen. Alleinbleiben heißt Urvertrauen haben.

Die Umgebung “erspielen”

Sie mussten nicht „Gassigehen“ und mit anderen Hunden spielen, sondern konnten sich erst an ihre neue Wohnung, den Garten und die Familie gewöhnen. Viele Hunde können draußen lange Zeit keine „Geschäfte erledigen“, weil sie nicht entspannt sind. Wir haben sie nicht dazu gezwungen, sie gezogen sondern mit Futter täglich ein Stück weiter in ihr neues Leben geführt. Wir haben die Straße und die Umgebung „erspielt“ – mit viel Zeit, Geduld und täglich ein Stückchen weiter. So können sie leichter schreckliche Erlebnisse vergessen.

Schreckliche Erlebnisse vergessenSchreckliche Erlebnisse vergessen – Die Rolle der Herrchen

Die Familie- besonders die Kinder – haben verstanden: Wenn sich der Hund zurückzieht, mag er keine Annäherung. Wir wollen auch nicht dauernd im Schlaf gestreichelt werden.  Man kann mit Ungeduld oder Überforderung vieles falsch machen, besonders die Herrchen der Familie sollten den Hund kommen lassen, nicht direkt ansehen, mit den Händen locken oder zu früh streicheln wollen. Alle unsere anfänglichen Sorgenkinder knuddeln heute mit dem Hausherrn, fühlen sich auf der Straße sicher, fegen mit anderen Hunden auf unseren Spaziergängen – nur ganz ganz selten noch zucken sie zusammen, wenn ein Mann zu schnell die Hand hebt.

Mit unserer Hilfe können sie die schrecklichen Erlebnisse vergessen. Mit der Zeit werden sie zugunsten einer wunderbaren Freundschaft verblassen.

 

Schreckliche Erlebnisse vergessen – Zusammenfassung:

  • Schutz vom ersten Tag an, kein Mitleid, kein Verwöhnen
  • keine Überforderung mit eigenen Entscheidungen
  • nicht zum Gassigehen ziehen, lieber zuerst im Garten oder vor dem Haus die „Geschäfte“ erledigen lassen
  • viel an der Leine führen und alles genau ansehen lassen
  • möglichst nicht an der langen Ausziehleine führen, besser an der Seite
  • Vorerst Vorsicht mit fremden Personen, bis der Hund Vertrauen zu uns gefasst hat
  • Überlege gut, mit welchen Hunden du deinen Hund spielen lässt. Wenn noch kein Vertrauen da ist, rennt der Hund weg
  • Bitte deine Freunde, den Hund vorerst zu ignorieren, auch die „Hundekenner“
  • nimm den Hund auch in der Wohnung an die Leine, wenn Besuch kommt
  • stelle dem Hund sein Leben vor – es wird wunderbar!

Geschrieben von:



Inge Büttner-Vogt, Hundetrainerin, Buchautorin, Radiomoderatorin

Seit 16 Jahren habe ich eine eigene Hundeschule, meine Philosophie ist Schutz, geistiges Training und Bewegung. Ich begleite Hunde sehr lange auf ihrem Weg mit dem Besitzer und lerne viel dazu. Ich habe 30 Jahre Hundeerfahrung und unzählige Seminare und Prüfungen gemacht, aber erst die Zusammenarbeit mit meinem Altdeutschen Hütehund „Shadow“ haben mich „sehen“ gelehrt. Meine Bücher sind für den Aufbau des Vertrauens zwischen Besitzer und Hund mit Herzblut geschrieben. In meiner Radiosendung „Hundimedia“ bei www.radio-rheinwelle.de berichte ich alle vier Wochen über interessante Themen.