Im Fadenkreuz der Hundefänger

Nicht weit von uns entfernt, vor allem in Süd- und Osteuropa, steht das legale Töten von Straßenhunden auf der Tagesordnung. Sie müssen sterben, weil sie zu viele sind. Nun kämpfen Tierschützer für ein Verbot und lebensrettende Alternativen.

In zahlreichen europäischen Ländern werden Straßenhunde legal getötet. Foto: Shutterstock

Nach Tagen der Rastlosigkeit saugst du die Ruhe mit jedem Atemzug ein. Viel zu lange hast du nicht geschlafen. Doch zu entspannen fällt schwer. Denn dein Magen ist leer und knurrt laut. Deine trockene Kehle lechzt nach einem kleinen Schluck Wasser. Noch viel schlimmer jedoch ist die ständige Angst im Nacken, das Gefühl, verfolgt zu werden. „Werden sie mich heute kriegen?“, fragst du dich, während dein Körper kapituliert und du vor Erschöpfung endlich in einen unruhigen Schlaf verfällst.

Plötzlich ein Rascheln. Du schreckst hoch. Was war das? Nur ein weiterer Leidensgenosse auf der Suche nach einem sicheren Plätzchen? Oder sind sie es, gekommen, um dich zu holen? Die Panik steigt in dir hoch. Die Geräusche werden lauter und kommen immer näher. Du kannst an nichts anderes denken als an die Frage: „Komme ich heute noch einmal mit dem Leben davon?“

Als Streuner in Europa

Für unzählige Straßenhunde in Europa sind dies die Bedingungen, unter denen sie leben müssen. Sie haben nichts falsch gemacht, sind weder krank noch gefährlich – sie sind einfach nur zu viele und das ist ihr Todesurteil. Viele europäische Länder, besonders solche im Süden und im Osten, haben ein massives Problem mit einer extrem hohen Anzahl von heimatlosen Tieren. Allein in der rumänischen Hauptstadt Bukarest sollen geschätzt 60.000 Straßenhunde leben.

In der Türkei in Istanbul sollen es Schätzungen zufolge sogar 150.000 Vierbeiner sein, die herrenlos auf den Straßen leben. Und für das gesamte Land Ungarn wird die Anzahl der Streuner auf unglaubliche 1,5 Millionen geschätzt. Um die Straßenhund-Problematik in den Griff zu bekommen, wären langfristige Lösungsansätze im Rahmen nachhaltiger Tierschutzarbeit nötig. Doch anstatt sich zum Beispiel um flächendeckende Kastrationen zu kümmern und diese finanziell zu unterstützen, entscheiden sich viele Länder und Kommunen für den vermeintlich leichteren Weg: massenhafte Hundetötungen in den sogenannten Tötungsstationen.

Tötungsstation – kein Weg zurück

Tötungsstationen gibt es beispielsweise in Rumänien, Spanien, der Türkei, Ungarn, Portugal und Serbien. Eine der größten Tötungsstationen in Europa ist das für 20.000 Hunde ausgelegte Todeslager in Istanbul. Aber auch in Irland, Frankreich und Belgien gibt es Tötungsstationen, in denen täglich unschuldige Vierbeiner – meist nicht mehr gewollte Familienhunde oder Langzeit-Tierheiminsassen – umgebracht werden.

Was aber genau ist eine Tötungsstation? In der Regel handelt es sich dabei um eine staatliche Einrichtung, in der herrenlose Hunde nach Ablauf einer gewissen Frist (meist zwischen 14 und 21 Tagen) getötet werden. Die Frist soll vermeiden, dass entlaufene Tiere unter den Vierbeinern sind, die eigentlich einen Besitzer haben. Es gibt lediglich eine einzige Chance, eine Tötungsstation wieder lebend zu verlassen: Jemand, der Besitzer oder ein Tierschützer, holt das Tier ab.

Eine Petition gegen Hundetötungen rettet heimatlosen Streunern das Leben und verhindert zukünftiges Leid. 
Foto: Unsplash

Grausames Vorgehen, kaltes Geschäft

Bei ihrer Jagd auf Straßenhunde kennen die von den Städten beauftragten Hundefänger kein Erbarmen – viel zu lukrativ ist das Geschäft mit den heimatlosen Vierbeinern. Die Streuner werden verfolgt und gejagt, eingefangen und eingesperrt. Für jedes gefangene Tier erhalten die Hundefänger eine Kopfgeldprämie. Umso mehr Hunde sie fangen, umso höher ist ihr Verdienst. In Rumänien beispielsweise werden aus lauter Geldgier deshalb sogar Haustiere ihren Besitzern entrissen.

Die Vorgehensweisen bei der Hundetötung auf den Tötungsstationen sind verschieden. Doch alle sind sie unvorstellbar grausam: Die Hunde werden vergiftet, erschlagen, erschossen, vergast, erdrosselt oder mit Nervengift langsam und schmerzhaft eingeschläfert. Während sie auf ihren Tod warten, werden sie oftmals noch absichtlich gequält und misshandelt. Wenn sie Glück haben, werden sie in Ruhe gelassen und müssen nur hungern, bis ihre Frist abgelaufen und ihr Todestag gekommen ist. Das Erschreckende: In fast allen Ländern ist sogar ein Tierschutzgesetz vorhanden. Jedoch wird es häufig schlichtweg nicht beachtet, umgangen und seine Umsetzung nicht kontrolliert.

Wir gegen Hundetötungen!

Um dem Ganzen endlich ein Ende zu setzen, hat VETO Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen eine Petition ins Leben gerufen. Gemeinsam mit vielen Tierfreunden kämpft VETO mit der Petition für das Verbot der brutalen Massenmorde an Straßenhunden, um Streunern in Europa eine Zukunft zu geben. Alle gesammelten Unterschriften reicht VETO beim Europäischen Parlament ein. Erreichen wir alle gemeinsam 150.000 Stimmen? Unterzeichne jetzt hier: www.veto-tierschutz.de/hundetoetungen