Hunde aneinander gewöhnen

Hunde aneinander gewoehnen

Hunde aneinander gewöhnen

Wer sich für einen zweiten Hund entscheidet, sollte sich erneut Fragen “Welcher Hund passt zu mir bzw. zu unserer Familie?” und zusätzlich “Welcher Hund passt zu meinem Ersthund?” Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht.

Wenn ein zweiter Hund ins Haus kommt, kann das unter Umständen für den ersten Hund oder sogar für beide Hunde und letztenendes für alle Beteiligten unangenehm werden, wenn die Entscheidung leichtfertig getroffen wird. Im schlimmsten Fall attackieren sich beide Hunde und der Traum vom Zweithund platzt.

 

Wie ist die Persönlichkeit des Ersthundes?

Hunde aneinander gewoehnen

Scotti, der Wirbelwind ist unser Ersthund Foto: privat

Scotti ist unser Ersthund – ein Pinscher-Mix. Er ist ein totaler Wirbelwind. Sportlich, sehr verspielt, laut, mittlerweile gut sozialisiert und seit einem Jahr in der Hundeschule. Da sein Energieniveau ziemlich hoch ist, wollte ich keinen Zweithund, der Scotti noch mehr “aufputscht”. Zum Beispiel wäre ein ähnlich aufgedrehter Jack Russel nicht die beste Konstellation. Also habe ich nach einem Hund gesucht, der zwar mithalten kann, aber Scotti nicht zusätzlich animiert, sondern eher für einen Ausgleich sorgt.

Welche Paarkonstellation?

In der Natur des Hundes habe ich die Antwort gefunden: Rüden und Weibchen sind normalerweise genetisch dazu “programmiert” gut miteinander auszukommen. Also habe ich mich für ein Hundemädchen entschieden, das nicht viel älter oder viel jünger als Scotti sein sollte. Scotti war damals 2 Jahre alt und kastriert.  Desweiteren wusste ich, dass Scotti einige Rassen mehr mochte als andere. Er bevorzugte zum Spielen eher kleinere Hunde als große. Auf ähnliche Rasseeigenschaften habe ich ebenfalls geachtet, denn Scotti mochte pinscherähnliche Hunde am liebsten. Scheinbar verstand er sich mit ihnen auf Anhieb. Diese Entscheidungen waren für mich wichtig, um einen Hund nicht nur nach dem Aussehen auszuchen, sondern nach passenden Eigenschaften für Scotti und den anderen Hund.

Warum will ich einen zweiten Hund?

Einen Zweithund anzuschaffen, damit dieser sich mit dem Ersten beschäftigt, weil der Mensch keine Zeit hat, ist keine gute Motivation für einen Zweithund und auch nicht die Lösung des Problems. Die Beweggründe können unterschiedlich sein, aber die Frage sollte sich jeder ehrlich beanworten, denn auch ein zweiter Hund kostet Zeit, Geld und manchmal auch Nerven. Ich wollte einen zweiten Hund für Scotti, damit er ein Hundeleben im Rudel erleben kann. Ich wollte mich der Herausforderung stellen einen Hund gut in unsere bestehende Mensch-Hund-Beziehung zu integrieren und ich wollte unbedingt einen Hund aus dem Tierschutz adoptieren, der keine guten Chancen auf eine Vermittlung hat.

Der Besuch im Tierheim

Mira Zweithund Hunde aneinander gewoehnen

Mira aus dem Tierheim in Bonn Foto: Tierheim Bonn

Ich habe circa zwei Monate nach “meinem” zweiten Hund gesucht. Im Tierheim Bonn traf ich schließlich die 12 Monate alte Mira. Die kleine Prager-Rattler-Pinscher-Mix Dame hatte bereits sehr viele Interessenten, aber niemand wollte sich der Herausforderung stellen, denn ihr “Vorstrafenregister” war lang. In ihrem knappen Lebensjahr hatte sie schon zwei Vorbesitzer, denn sie biss ihre Menschen. Im Tierheim kotete sie in ihr Körbchen und als verträglich mit Artgenossen galt sie auch nicht.

Zuerst haben mein Mann und ich sie alleine besucht, um uns ausführlich mit einer Tierheimmitarbeiterin über Mira zu unterhalten. Mira zeigte kein großes Interesse an uns, sondern beschnupperte zuerst den Freilauf – ein gutes Zeichen wie ich finde – was aber von vielen Interessenten als “der Hund mag uns nicht” interpretiert wird. Wir haben die Zeit genutzt, um uns mit der Tierheimmitarbeiterin zu unterhalten und die Vorgeschichte von Mira zu erfahren. Nachdem die kleine Mira ausgiebig ihre Umgebung beschnuppert und sich gelöst hat, entdeckte sie uns und die Leckerlies in der Tasche.

Der Erstkontakt mit dem neuen Hund

Erster-Spaziergang-Hund

Der erste Spaziergang mit beiden Hunden Foto: privat

Insgesamt haben wir Mira drei Mal besucht und sind mit ihr “Gassi” gegangen. Zum zweiten Besuch kam Scotti mit, denn wir wollten testen, ob die beiden sich verstehen. Mit Scotti waren wir vorher ausgiebig laufen, damit er entspannt und ausgeglichen ist. Mit einem aufgeregten Hund zum Kennenlernen zu gehen, wollten wir vermeiden.

Das erste Beschnuppern wollten wir auf neutralem Boden stattfinden lassen, denn Mira war im Tierheim gegenüber anderen Hunden weniger freundlich. Deshalb sind wir zuerst mit beiden Hunden 20 Minuten nebeneinander Spazieren gegangen ohne dass sie sich beschnuppern konnten. So konnte Mira sich entspannen und die Körpersprache von Scotti lesen, während sie nebeneinander liefen.

Eine schöne, große Wiese erschien uns für den Erstkontakt geeignet und ich machte Scotti von der Leine. Er lies Mira zunächst links liegen und zeigte kein großes Interesse. Auch das fand ich gut. Mira war zunächst etwas aufdringlich und Scotti zeigte ihr die kalte Schulter. Mein Mann und ich blieben still und ließen den Hunden Ruhe und Zeit sich kennenzulernen. Als Scotti schließlich Mira zum Spielen aufforderte ging mir das Herz auf und ich wusste, dass Mira die Richtige für uns ist.

Hunde zu Hause aneinander gewöhnen

Ersthund und Zweithund

Mittlerweile sind die Zwei ein Herz & eine Seele Foto: privat

Als der Tag schließlich näher rückte, an dem wir Mira aus dem Tierheim holen wollten, wurde ich doch nochmal nervös. “Was ist, wenn Scotti sie nicht in seinem Zuhause will?” oder “Was passiert, wenn die neue Hündin Scotti oder uns beisst?” Es plagten mich einige ungewisse Gedanken, aber ich beschloss den Tag positiv anzugehen und mich über die Ankunft von Mira zu freuen und mir keine Sorgen zu machen. Hunde merken nämlich, wenn Menschen nervös sind und ich wollte nicht, dass Mira und Scotti wegen mir ein schlechtes Gefühl haben.

Wir zelebrierten die Ankunft von Mira regelrecht und bereitet alles vor, damit es ein entspanntes Eingewöhnen ist. Als wir und die Hunde mit dem Auto Zuhause ankamen, machten wir sofort einen langen Spaziergang von knapp zwei Stunden. So, war mein Plan, würde jegliche Agression oder die Lust auf “Pöppeln” vergehen, denn die Hunde wären einfach total ausgepowert. Mein Plan ging auf. Ich führte beide nach Hause und stellte Mira jedes Zimmer vor, indem ich sie an der Leine langsam durch das Haus führte. In der Küche lies ich beide trinken und schickte jeden danach in sein Körbchen. Es folgte ein harmonisches und entspanntes Miteinander – Scotti zeigte Mira den Rest unseres Reiches und wir Menschen waren glücklich und zufrieden.

Geschrieben von:



Hanna Czenczak, Gründerin von Tierschutz-Shop

Weil ich mit Tieren groß geworden bin, liegen sie mir am Herzen. Ich habe Tierschutz-Shop gegründet, damit Tierfreunde ganz einfach Tieren in Not helfen können. Da mich Hunde seit Kindesbeinen an begleiten, möchte ich meine Erfahrungen mit euch teilen, damit diejenigen von euch, die einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, auch in meinem Ratgeber-Artikel nützliche Informationen finden.