Frank und die Supernasen

250.000 Haustiere entlaufen jedes Jahr allein in Deutschland. Viele kehren nach ein paar Stunden wieder heim. Doch was tun, wenn das Tier nicht mehr zurückkommt? Pet-Trailer Frank Weißkirchen hilft.

Dank dem Einsatz von Frank und seinen Hunden Schnösel und Winston wurden unzählige Vierbeiner wieder mit ihren Menschen vereint. Foto: Nadja Jahel

Tiersuche in Europa

Plötzlich weiß die 16-jährige Hundedame Linda nicht mehr, wo sie ist. Gerade war sie noch im heimischen Garten – und jetzt? Sie wollte doch nur wieder in ihr warmes Körbchen. Aber weil sie taub und blind ist, hat sie die Orientierung verloren. Schon drei Tage suchen ihre Besitzer nach Linda und Linda nach ihren Besitzern – ohne Erfolg. Kraftlos legt sich die alte Hündin in ein Erdloch. Wenn der Mensch bei vermissten Tieren nicht mehr weiter weiß, kommen Frank und seine Suchhunde zum Einsatz. Die Spur führt sie in einen naheliegenden Wald. In einem versteckten Erdloch liegt die Hündin zusammengekauert. Eine große Er­leichterung macht sich bei allen Beteiligten breit, denn ohne die Spürnase von Franks Vierbeiner wäre Linda im Wald gestorben.

Pet-Trailing bezeichnet die Suche nach entlaufenen Haustieren. Dafür werden speziell ausgebildete Hunde eingesetzt, die die vermissten Vierbeiner aufspüren. Das Prinzip ist einfach: Jedes warmblütige Lebewesen verliert Hautschuppen, die über den Körper auf den Boden sinken. Bakterien kommen dazu und bilden eine Geruchswolke, die wir als „Spur hinter uns herziehen“. Diese Spur ist bei jedem Lebewesen einzigartig und für den Hund nasal erkennbar. Mit seinen Bloodhound-Rüden Winston und Schnösel macht sich Frank Weißkirchen mit jahrelanger Erfahrung auf die Suche nach vermissten Tieren. „Wir sind das erste und einzige Tiersicherungs-Unternehmen, welches Suchhund, Distanznarkose mittels Gewehr und Blasrohr sowie Lebendfallen in einer Hand anbietet“, erzählt der gelernte Hundetrainer.

Traurig: Jedes Jahr entlaufen 250.000 Haustiere. Foto: Eliane Haykal

Tier entlaufen – Was tun?

Um auf die Suche zu gehen, brauchen Frank und seine Hunde Hinweise: einen Geruchsträger, der mit dem Tier in Kontakt war und einen Ausgangspunkt, wo das Tier verschwand. Erst dann können die Hunde die Spur aufnehmen. Am Geschirr geführt, verfolgt die Spürnase in Teamwork mit Frank die frischeste Spur des entlaufenen Tieres. „Wir suchen nach alten, verletzten und kranken Tieren, denn hier ist schnelles Handeln erforderlich“, erzählt der erfahrene Pet-Trailer. Und auch Hunde, die mit Leine oder Halsband entlaufen, schweben in Gefahr, weil sie sich damit verfangen können. Eine spezielle Ausrüstung wie Lebendfallen, Drohnen, ein Distanznarkose-Gewehr und ein Blasrohr helfen bei der Sicherung des Tieres. Es gibt jedoch Faktoren, die die Suche erschweren. Ob ein Hund durch die fremde Umgebung verängstigt oder vom Jagdtrieb gesteuert ist, kann über den Erfolg einer Suche entscheiden. „Einen mobilen Angsthund wird man in der Regel nicht einfangen können, sondern mit einem Suchhund nur weiter vertreiben. Wird der Hund jedoch mehr als drei Tage nicht gesichtet, starten wir die Suche, denn das Tier könnte sich verletzt haben“, so Frank Weißkirchen.

Generell empfiehlt der Pet-Trailer, nicht überstürzt zu handeln. Viele Menschen neigen dazu, in Panik zu verfallen. Doch wichtig ist, Ruhe zu bewahren. Oftmals gehen die Hunde nur auf Entdeckungstour und kommen von allein zurück nach Hause. Entläuft das Tier, gilt es Folgendes zu tun: Zunächst sollte man an der Entlaufstelle Futter auslegen und am besten an dieser Stelle bleiben. Auch Zuhause sollte jemand vor Ort sein, falls der Hund dorthin zurückkehrt. Es ist falsch, dem Hund hinterherzurennen oder ihn zu rufen, denn unter Stress klingt unsere Stimme anders. Großzügig verteilte Suchplakate mobilisieren Mitmenschen, nach dem vermissten Tier Ausschau zu halten. Jedoch sollten auch die Helfer nicht versuchen, den Hund auf eigene Faust einzufangen. Verständigen Sie Tierheime, Tierärzte aber auch die örtliche Polizeidienststelle.

Im Frühjahr suchen viele Rehkitze instinktiv Schutz im hohen Gras und werden
dort oft durch Landmaschinen qualvoll getötet. Foto: Debbie Steinhausser

Prävention ist alles

Tragischerweise stammen ca. 95 % aller entlaufenen Hunde aus dem Auslandstierschutz, die meisten davon aus Rumänien. Denn schon bei der Übergabe am Flughafen oder Trans­porter sind die Tiere nicht genug gesichert. Überfordert von den neuen Eindrücken, folgen die Hunde ihrem Instinkt und fliehen. Ein Sicherheitsgeschirr mindert das Risiko des Entlaufens. Zudem kann der Vierbeiner mit einem GPS-Tracker am Halsband versehen und so jederzeit per Handy geortet werden. „Meine Lebensgefährtin Norma und ich veranstalten auch Präventivseminare, denn jeden Tag entlaufen Tiere“, schildert der erfahrene Pet-Trailer. In seinen Seminaren und auf www.hundentlaufen.de klärt Frank Weißkirchen Privatpersonen und Tierschutzvereine auf, wie man das Entlaufen verhindern kann. Dazu gehört auch, wie man den Hund richtig in ein neues Zuhause eingewöhnt.

Lebensaufgabe: Pet-Trailing

„Zusätzlich kümmere ich mich aber auch um die Sicherung von Nutz- oder Wildtieren“, sagt Pet-Trailer Frank. Denn im Frühjahr suchen viele Rehkitze instinktiv Schutz im hohen Gras und werden dort oft durch Landmaschinen qualvoll getötet. Im Ehrenamt sucht Frank mit seiner Drohne im ungemähten Gras nach einsamen Kitzen. Die fliegende Kamera zeigt mit Video- und Wärmebild-Aufnahmen, wo sich das Rehkitz befindet und die Landwirte können die Tiere, bevor sie mähen, vor dem Tod bewahren. Frank Weiß­kirchen hat Pet-Trailing zu seiner Lebensaufgabe gemacht und führt seinen Tiersicherungsdienst „hundentla­ufen“ hauptberuflich. Dank dem uner­müdlichen Einsatz von Frank und seinen Hunden Schnösel und Winston wurden unzählige Vierbeiner wieder mit ihren Menschen vereint.