Deutsche Tierheime vor dem Aus

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Foto: Melanie Stöger

Es ist das Geld, das an allen Enden fehlt. Tierheime kommen für Futter und die medizinische Versorgung der Tiere auf. Dazu kommen Miete, Strom, Wasser und Personal. Trotz finanzieller Unterstützung durch die Kommunen können die ständig steigenden Kosten kaum gedeckt werden. Knapp die Hälfte der deutschen Tierheime steht kurz vor der Insolvenz. Eine Katze kostet die Heime umgerechnet etwa 10 Euro pro Tag, ein Hund 21 Euro. Die Zuschüsse der Kommunen decken aber gerade einmal einen Fünftel davon. Tierheime finanzieren sich hauptsächlich durch Spenden. Doch die Spendenbereitschaft der Deutschen geht immer weiter zurück. Gleichzeitig werden immer mehr ausgesetzte oder kranke Fundtiere in den Heimen abgegeben.

Die Leidtragenden sind die Tiere

Weil gerade diese Tiere sich nur schwer vermitteln lassen, bleiben die Tierheime auf hohen Tierarztrechnungen sitzen. Viele Interessenten gehen nach Hause, ohne ein Tier zu adoptieren, weil der passende Familienhund nicht dabei ist. Dadurch fehlen den Tierheimen die Einnahmen durch die Schutzgebühr, um damit auch die Dauergäste zu finanzieren. Die Kommunen sind aber nicht bereit, noch mehr zu bezahlen. Vielerorts werden die sogenannten Fundtierverträge nicht mehr verlängert.

Genau in dieser Situation befand sich Anfang des Jahres das Tierheim Krefeld. Dort mussten 8 Mitarbeiter entlassen werden, als der Vertrag Ende 2014 auslief. Ohne die finanzielle Unterstützung konnte das Tierheim keine Fundtiere mehr aufnehmen. Erst als die Situation dramatisch wurde, lenkte die Stadt ein.

Für viele deutsche Heime bleibt die Zukunft ungewiss. Fest steht: Wenn kein Umdenken stattfindet, werden immer mehr Tierheime am Hungertuch nagen oder für immer schließen müssen. Die Leidtragenden sind dann die Tiere, denn sie können nicht mehr ausreichend versorgt werden. Gibt es bald auch in Deutschland Zustände wie in Rumänien oder Ungarn?

Im Ausland ist es noch schlimmer

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Foto: Veera Nuri

Überfüllte Zwinger, kranke und gestresste Tiere, leere Näpfe – in Deutschland unvorstellbar, in anderen Ländern bittere Realität. Gerade in Osteuropa und im Süden sind die Zustände für Straßen- und Tierheimtiere katastrophal. Streuner werden verachtet, misshandelt oder gar getötet. Die Überlebenden vermehren sich unkontrolliert, denn Kastrationen sind selten. Aber auch in den Tierheimen geht es den Tieren nicht viel besser. Wenn nicht gespendet wird, werden sie mit Müll gefüttert oder müssen hungern. Tiere mit Handicap haben kaum Überlebenschancen.

Menschen für Tiere e.V. macht es vor „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ausgesetzten, unerwünschten und misshandelten Tieren zu helfen – egal wo sie herkommen“, erklärt Ulla Uth, 2. Vorsitzende des Vereins Menschen für Tiere aus Nümbrecht. Der Verein rettet Hunde und Katzen in Deutschland, blickt aber auch über die Landesgrenzen hinaus. Wenn gerade ein Platz im Tierheim des Vereins in Köln-Ostheim frei ist, versuchen die Tierschützer eine Fellnase in Not aus Rumänien, Spanien oder einem anderen Land aufzunehmen. Das ist für viele dieser Tiere die letzte Chance. „Zu unseren Fellnasen zählen oft Hunde und Katzen mit Handicap. Meist haben sie ein Bein oder sogar ihr Augenlicht verloren. Doch wir sorgen dafür, dass sie ihre Lebensfreude nicht verlieren“, sagt die Tierschützerin.

„Gemeinsam mehr erreichen“

Menschen für Tiere e.V. arbeitet ausschließlich ehrenamtlich und hat viele Partnervereine in ganz Europa, von denen er regelmäßig Vierbeiner aufnimmt. Trotzdem hilft der Verein auch den deutschen Hunden und Katzen. Er schafft den Spagat zwischen Tierschutz im Ausland und Inland perfekt und beweist damit, dass man gemeinsam mehr erreichen kann. „Es ist toll, dass es Vereine gibt, die nach diesem zukunftweisenden Modell arbeiten. Damit kann man Inlands- und Auslandstierschutz verbinden und vielen Tieren das Leben retten“, so Hanna Czenczak, Gründerin von Tierschutz-Shop, Europas größter Futter-Spendenplattform.